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Tag 53

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Worte der Bewohner
Mittwoch, 28.5.2003

8:33 Uhr: Andy steht auf einmal weinend wie ein kleines Kind am Frühstückstisch. „Ich glaube, Babe hat ganz dolle Schmerzen“. Alle gehen raus, und tatsächlich, Babe sieht gar nicht gut aus, Babe ist auch viel dicker, fetter und umfangreicher geworden. Plötzlich fällt Claire auf, wie wenig sie sich in letzter Zeit um das Schwein gekümmert haben. „Ich glaube, da wird noch jemand vor dir abferkeln“, sagt Yasmin zu Claire.

8:42 Uhr: Auf dem Frühstückstisch, an dem sie die Lage diskutieren wollten, finden die Bewohner folgenden Brief:

Liebe Bewohner,

ein paar Informationen können wir uns gerade so noch leisten. Die folgenden Fakten haben wir euch gerade erst zusammengeschrieben. Viel mehr können wir für Babe und Euch leider nicht tun.

Zuerst muss die Abferkelbucht vorbereitet werden. Dass heißt waschen und desinfizieren. Vor dem Aufbringen des Desinfektionsmittels müssen alle zu behandelnden Oberflächen völlig trocken sein, da sonst die Chemikalie verdünnt wird! Jeder Teil der Bucht muss nach der Desinfektion nass sein. Danach wieder trocknen lassen.

Dann muss die Sau in die Abferkelbucht umgestallt werden. Vorher, währenddessen und danach muss sie entwurmt werden. Dadurch werden die im Darm befindlichen Parasiten abgetötet während aus der sauberen Umgebung keine neuen Wurmeier aufgenommen werden können. (Die Präparate bekommen Sie von Ihrem Tierarzt).

Sofort nach dem Umstallen muss das Tier enträudet werden: Zuerst gründlich mit reichlich Wasser waschen oder einweichen. Danach Waschlösung mit Pflanzenschutzspritze (Rohr vorne 45° umbiegen erleichtert die Arbeit) aufbringen: Unterbauch, Schenkelinnenflächen, Achselhöhlen und Gehörgänge nicht vergessen! Abferkelbucht gleich „mitbehandeln“.

Injektionspräparate: einmalige Anwendung zum Zeitpunkt des Umstallens tötet zwar die meisten Räudemilben, rottet sie aber nicht aus.

5 Tage vor dem Abferkeltermin bis 5 Tage danach täglich ca. 20–30 dag Traubenzucker zufüttern um ein Energiedefizit (Wehenschwäche!) zu vermeiden.

Während der Geburt: Trog mit Wasser füllen: Wenn die Sau ihren Durst während der Geburt am Nippel stillen will muss sie lange – zu lange – stehen bleiben. Aus dem mit Wasser gefüllten Trog kann sie in großen Zügen trinken und sich nach wenigen Sekunden wieder hinlegen.

Medikamente (die Ihr Tierarzt einsetzt): Wehenschwäche: Ein Hormon kann Abhilfe schaffen. Es wird zusammen mit Kalzium verabreicht. Wehenregulierung: Unkoordinierte Wehen können medikamentell reguliert werden. Erweiterung des Muttermundes: Wenn die Ferkel nicht geboren werden können, weil der weiche Geburtsweg zu wenig erweitert ist kann der Tierarzt mit einer Injektion nachhelfen. Wenn manuelle Geburtshilfe geleistet wurde: Antibiotikum. Selbst bei genauester Reinigung der Hand des Geburtshelfers und der Scham des Tieres oder Verwendung von Einweghandschuhen ist praktisch nicht zu vermeiden, dass Keime in die Gebärmutter gebracht werden. Nach manueller Geburtshilfe sollte zumindest 1 x zur Prophylaxe einer Gebärmutterinfektion ein Antibiotikum verabreicht werden. Bedenken Sie, dass dadurch eine Wartezeit beginnt!!

Der physiologische Geburtsverlauf wird durch Unruhe und Stresszustände verzögert und gestört. Als optimal werden 150 Minuten von der Austreibung des ersten bis letzten Ferkels eines Wurfs angesehen. Die 12 Ferkel eines Durchschnittswurfs werden in Abständen von 10-20 Minuten geworfen.

Die neugeborenen Ferkel muss man trockenreiben, die Mäuler vom Schleim befreien, ausschütteln, an Zitzen anlegen oder vorübergehend ins Ferkelnest legen. Der Nabel muss ausgestreift werden, nach 5 cm abreißen, desinfizieren mit Jodpräparat oder Blauspray.

Beobachtung der Geburt und Betreuung der neugeborenen Ferkel senkt die Rate der Ferkelverlust um 5-10%!!

Die Ferkel müssen in den ersten Stunden nach der Geburt so viel Biestmilch wie möglich aufnehmen, um einen belastbaren Infektionsschutz zu bekommen. Daher: Ferkel sofort saugen lassen, notfalls anlegen!

Bereits in den ersten Lebensstunden kann es zu Vitaminmangel kommen, der zu Schwäche und Zurückbleiben führt. Das kann später nur schwer oder gar nicht aufgeholt werden. Daher: Injektion eines Multivitamin Präparates nach Gebrauchsanweisung und der selben Methode wie bei der Eiseninjektion.

Am ersten Tag nach der Geburt verabreicht man der Sau ein Prostaglandin Präparat. Das hält die reinigende Bewegung der Gebärmutter für einige Tage aufrecht.

Ab dem 1. Lebenstag bietet man den Ferkeln Wasser mit Elektrolytpulver und Traubenzucker (besonders bei Durchfall!!) an, um den sehr hohen Flüssigkeitsbedarf der Ferkel ausgleichen zu können. „Trockene“ Ferkel werden matt und orientierungslos, kommen nicht mehr zum Gesäuge der Sau und verhungern!

Ab dem fünften Tag nach der Geburt bietet man den Ferkeln täglich eine kleine Menge Pre-Starter an, um die Ferkel spielerisch den Umgang mit festem Futter erlernen zu lassen.


8:55 Uhr: Gleich nach den ersten Zeilen schreit Yasmin auf: „Was ist eine Abferkelbucht?“ „Gebt uns eine!“, brüllt Claire gegen die Decke. DAS KÖNNEN WIR UNS NICHT LEISTEN. Dann lesen sie weiter. Wenig später entrüstet sich Sam: „Was heißt denn hier: 5 Tage vor dem Abferkeltermin?“ NA, WENN IHR NICHT MERKT, DASS EURE SAU SCHWANGER IST, DANN KÖNNEN WIR DA JA WOHL AUCH NICHTS FÜR, ODER?
Alle lesen weiter. Wenig später sieht man Hoffnung in den Gesichtern der Bewohner aufkeimen: „Kriegen wir einen Tierarzt?“ „NEIN.“ „Wenn wir nicht wenigstens Medikamente für das Tier kriegen, ziehen wir alle aus und bringen das Schwein zu einem richtigen Tierarzt“, sagt Claire und Sam stimmt ihr zu. WIR SEHEN MAL, WAS WIR MACHEN KÖNNEN.

11:44 Uhr: Und tatsächlich legt sich die Aufregung etwas als die Bewohner dann doch einige Utensilien im Sprechzimmer finden. Sie lesen alle möglichen Beschreibungen auf Verpackungen, nur Yasmin entschuldigt sich, um zu lernen. „Wisst ihr, ich versteh da doch sowieso nichts von.“

15:32 Uhr: Andy hat inzwischen überhaupt keine Angst mehr. Die Geburtsvorbereitungen sind abgeschlossen, und weil das Wetter gut ist, legen sich alle zusammen lernend in den Garten und beobachten nebenher das Schwein.

21:57 Uhr: Kaum jemand hatte das noch erwartet, aber dann geht es doch noch los. Claire, Andy und Sam stellen sich als großartiges Team heraus. Nur Yasmin hat sich zurückgezogen, um zu lernen.

23:52 Uhr: Claire weint, weil zwei von elf Ferkeln jetzt schon tot sind. Sam tröstet sie, dass sie gute Arbeit geleistet haben und dass das ganz natürlich sei. Die beiden sind noch viel zu aufgeregt von ihrem gemeinsamen Erlebnis der Geburt und viel zu verzückt von den Baby-Schweinen, um jetzt schlafen zu gehen. „Außerdem sollte jemand Wache halten“, sagt Sam.

Worte der Bewohner

ANDY (12:31 Uhr): "Erst hatte ich ja ganz schön Angst um mein Schweinchen. Aber jetzt freue ich mich, obwohl ich auch wieder Angst habe, dass Babe so ist wie schwangere Frauen und dann nichts mehr von mir wissen will.“

SAM (13.26 Uhr): "So wird der Container doch noch zu einem Selbsterfahrungstrip. Aber wir werden das schon meistern.“

CLAIRE (14:18 Uhr): "Erst war ich ja sauer auf die Regie, aber jetzt bin ich einfach nur noch aufgeregt.“

YASMIN (22:14 Uhr): "Ich finde das so ekelig, mit den blutig schleimigen Ferkeln da draußen. Außerdem muss ich doch lernen. Aber nach mir fragt ja wieder mal keiner.“
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Andy sorgt sich um Babe.
Was bitte ist eine Abferkelbucht ?!?
Die Bewohner - zu fünft im Garten ...
Totenwache

 

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