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Tag 14

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Worte der Bewohner
Samstag, 19.04.2003

01:13 Uhr: Wolfgang steht leise auf und tappt im Dunkeln durch die Wohnung. Schon gestern hatte er sich vorgenommen, endlich mal wieder in Ruhe auf dem Klo zu sitzen. Doch die Badtür ist abgeschlossen – "Ey nee, kann nich` sein." Aus dem Bad ist Gejuchze und Gekicher zu hören. Wütend klopft er an die Tür. "Seid ihr bald mal fertig?!? ICH MUSS SCHEISSEN!" Plötzlich kommt auch aus dem Wohnzimmer ein Nörgeln. "Yasmin und Micha sind da drin. Schon seit einer halben Stunde. Wer weiß, was die anstellen", meint Claire, die mal wieder duschen will. Sam sitzt neben ihr und hält ihre Hand.

01:45 Uhr: Yasmin und Micha kommen breit grinsend aus dem Bad. Wolfgang klatscht: "Ganz groß! Die Yasmin treibt’s mit ’ner Transe, oder was!? Haaahaaa!" Noch bevor er sich versieht, ist das Bad wieder besetzt. Gudrun ist ohne einen Ton reinmarschiert. Wolfgang ist auf hundertachtzig: "Und die Alte muss auch nicht fragen, oder was!? Ey, ich scheiß dem Psycho auf’s Bett." Sam meldet sich zu Wort: "Also, ich hab da Mist gemacht. Der Andy war das gar nicht. Der hat das Tape nicht gelöscht. Ich war das. Und, naja... ich weiß, dass das nich` in Ordnung war, was ich da angerichtet hab." "Waaaas??? Das glaub ich einfach nicht!", kreischt Claire, stürmt davon und schlägt hinter sich die Tür des Sprechzimmers zu.

02:40 Uhr: Sam sitzt mit stoischem Blick im Wohnzimmer. Wolfgang ist im Garten. Um sich abzureagieren, versucht er zweimal, den Fahnenmast hochzuklettern. Danach geht er auch wieder ins Bett und es kehrt Ruhe ein im fk7-Haus.

05:13 Uhr: "A-A-AUF-AUFNEHMEN", schreit Andy und schüttelt Yasmin, Gudrun und Micha wach. Verschlafen murmelt Yasmin: "Was, wie spät ist es denn? Is’ doch noch dunkel." Andy zeigt mit angstverzerrtem Gesicht auf die Uhr: 15:37, 7. Mai 2003. Yasmin setzt mit einem leichten Gefühl von Scham ihre Brille auf. "Mann, die Uhr geht doch schon wieder falsch", meint sie und dreht sich um. Micha stöhnt: "Hach Andy-Schnurzelchen, ich brauch doch meinen Schönheitsschlaf."
Die Frauen bleiben liegen. Andy geht mit weichen Knien ins Sprechzimmer, stellt sich ans Mikro und singt "der goldene Reiter", als wäre er Joachim Witt höchstpersönlich.

11:00 Uhr: Mittlerweile wissen alle, dass Sam das Band gelöscht hat, entsprechend verkatert ist die Stimmung am Frühstückstisch. Gespenstige Stille.

11:20 Uhr: Micha will die eisige Atmosphäre durchbrechen: "Hach ihr Süßen, das ist doch alles halb so schlimm wie es aussieht. Den Tag ohne Wasser haben wir doch alle prima überstanden. Das Wetter ist supi und nun machen wir nur noch den Hit." "Nur noch den Hit, pah! Ich hab’ ne scheiß Laune!", giftet Wolfgang. Micha bleibt unbeeindruckt. Voller Poesie spricht sie, nicht ohne mit ihrer Hüfte zu wackeln: "Die Liebe ist es, die mich nachts nicht schlafen lässt – ich jubel, wenn du da bist – weine, wenn du mich verlässt. Wenn du mich verlässt, sind alle Tage grau – wenn du mich verlässt, fühle ich mich nicht Mann oder Frau." Yasmin ist begeistert: "Das ist doch ein toller Anfang. Als ich letztens Jack White auf einer Vernissage in der Außenalster-Galerie in München begleitet habe, hat er auch so wundervolle Sachen über die Liebe erzählt. Juhuhu, lasst uns aufnehmen gehen!" Die beiden gehen ins Sprechzimmer, der Rest verteilt sich wortlos im Haus.

12:30 Uhr: Wolfgang beugt sich zu Andy: "Kannst du mir mal bitte verraten, warum die beiden so eine scheiß gute Laune haben? Ach, was frag ich dich überhaupt..." Andy beugt sich zu Wolfgang und fängt an zu weinen.

13:59 Uhr: Nachdem er stundenlang allein im Sofa saß, steht Sam auf und geht auf Wolfgang zu. "Du Wolfgang, ich weiß, ich hab Scheiße gebaut, aber deswegen musst du ja hier auch nicht so’n Aufriss machen. Sieh mal: Du findest das doch voll cool, ins Radio zu kommen. War doch dein Traum. Mit Mucke die Frauen aufreißen. Okay, dieser Song is’ nich’ mein Ding, aber bevor wir nächste Woche verhungern.... Und trocken wollen wir ja auch nicht bleiben", sagt er und deutet auf die leeren Bierflaschen hin. "Jedenfalls will ich auch beim Song mithelfen. Will nicht singen, kann ich nich, aber nen Text krieg ich schon hin. Also los!"

16:03 Uhr: Sam hat einen Text geschrieben und stellt ihn im Sprechzimmer den Frauen vor. Die sind ziemlich angeheitert. Micha sogar so, dass sie laut jubelnd ihren Rock kurz anhebt. In der Ecke stehen zwei Flaschen Wein – leer. Das bringt selbst Wolfgang wieder zum schmunzeln. Zwischen Tür und Angel fragt Claire: "Und, habt ihr schon was aufgenommen?" Yasmin und Micha kichern, "Los Clairchen, mach mit!"

22:39 Uhr: Schon seit Stunden sind fünf Bewohner im Sprechzimmer und haben zigmal das Lied gesungen. Claire ist mittlerweile ziemlich genervt und hat Sam in der ganzen Zeit keines Blickes gewürdigt. Nur Gudrun hatte gar keine Lust auf die "Hottentotten-Musik". Sie hat derweil im Schlafzimmer gehäkelt. "Hat einer Andy gesehen? Und hat einer vorhin mal das andere Tape gehört? Da war plötzlich dieses Lied aus den 80ern, na, nicht von Nena, sondern von dem Dings, wie heißt'er, jedenfalls mit dem goldenen Reiter drauf. A capella – ganz schön komisch." Sie blicken ins Wohnzimmer. Andy sitzt hoch auf der Leiter und ruft: "ICH BIN DER KING DIESER STADT!"

23:00 Uhr: Alle sitzen gespannt im Wohnzimmer, um der Regie endlich mitteilen zu können, dass sie ihre Wochenaufgabe vollendet haben. Dann ertönt endlich die Stimme aus dem Off: "ALLE ACHTUNG, DAS WAR ABER KNAPP. JETZT KÖNNT IHR NUR NOCH BETEN, DASS DER SONG AUCH IN DIE TOP TEN KOMMT. WENN NICHT... NA IHR WISST SCHON. ANSONSTEN GEHT’S EUCH GUT?" "Ja, öhm", stammelt es aus den Mündern. "NA DANN TSCHÜSS." "Äh, öh......"

Worte der Bewohner

Claire (01:47): (mit Tränen in den Augen) "Ich bin wütend. Was der Sam da gemacht hat, war nicht in Ordnung. Wie konnte er nur die Kassette löschen? Ich kann es einfach nicht fassen. Dabei habe ich ihm vertraut. Wahrscheinlich kann Mensch niemanden mehr vertrauen.“

Sam (9:30): "Ja ich musste`s halt sagen. Das wär doch früher oder später eh rausgekommen. Und diese Enttäuschung im Nachhinein, wenn die anderen das am Ende draußen erfahren, wollte ich uns ersparen. War echt nicht okay, vor allem scheiße gegenüber Andy. Ich kann auch verstehen, dass Claire jetzt so sauer auf mich ist. Oh mann.“

Gudrun (11:10): "Ich habe nicht viel zu sagen. Irgendwie ist das nicht mein Zuhause. Meine lieben Schüler, ich hoffe, ihr nehmt euch kein Vorbild an den Bewohnern hier drin.“

Yasmin (23:17): "So, geschafft. Bin ganz aufgekratzt. Das wird echt ein Hit! Dabei fing das heute ja gar nicht so gut an. Und soll ich euch was sagen: Also irgendwie hab ich das geahnt, dass das nicht der Andy war mit der Kassette, sondern der Sam. Frauen spüren so was halt. Ansonsten hatte ich heut viel Spaß mit der, äh dem Micha. Winkewinke!“

Micha (23:30): "Ich hab’s gleich gewusst, hihi. Weibliche Intuition. War doch klar, dass das nur Eifersucht war mit dem gelöschten Kassettchen. Aber dass Sam auf Andy eifersüchtig ist, verstehe ich ja nicht so sehr. Ansonsten war das heute ein supi Tag. Der Song wird ein Knaller (jauchz). Liebe Grüße nach draußen und 1000 Kussilis!“

Andy (23:37): (singend) "Ja dann fiel ich ab, ja dann fiel ich ab.“

Wolfgang (23:40): "So, kann ich jetzt auch mal... Habt ihr den Psycho wieder gesehen? Aber singen kann er! Was soll ich sonst sagen? Der Tag fing extrem scheiße an, aber dann haben wir uns ja zusammengerauft. War ne gute Sache. Und ich glaube, dass der Song echt ziemlich gut einschlagen wird. Die Weiber werden auf mich fliegen. Und was Sam betrifft: ich denk, da haben sich alle schon drüber ausgelassen, aber wenigstens hat er das zugegeben.“

Claire (00:07): "Ich noch mal, is doch okay, oder? Also das Lied habe ich nur unter Protest mitgemacht. Nicht, dass ihr denkt, ich würde mich dem Mainstream verkaufen. Sam war ganz schön geknickt. Ich glaube, er weiß, was er angerichtet hat. Aber vielleicht kann ich ihm ja bald wieder verzeihen. Gute Nacht.“
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Halb zwei nachts - und Wolfgang ist wütend.
Sam sitzt so da.
Anschweigen am Frühstückstisch
Andy ... weint sich aus.
ICH BIN DER KING DIESER STADT

 

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