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Der Einzug

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Sonntag, 6.4.2003

Sieben Menschen, die sich noch nie zuvor gesehen haben, betreten gemeinsam den "FernsehKarriere7"- Container. Sie tun das nicht auf die Art und Weise, in der sie einen Fahrstuhl betreten würden. Niemand blickt still auf den Boden oder sieht einem anderen nicht ins Gesicht. Schließlich sind sie nicht nur zum Spaß hier, sondern vor allem professionell gecastet worden. Deswegen lässt es sich niemand der sieben Exhibitionisten ansehen, wie mulmig ihm oder ihr eigentlich zumute ist.

Die Kameras filmen ausschließlich aus dem Hausinneren heraus und werden draußen erst aufgestellt werden, wenn der Hype wie in den letzten Voyeursprojekten im weiteren Verlauf der Staffel auf eine präsentierbare Größe zugenommen hat - wenn sich kreischende Fans vor der Fernsehstudiowohnung versammeln, um ihre wie auch immer gearteten Meinungen kundzutun. Ja, das ist eine Aufforderung.

Die Begrüßungen sind so freudig, laut, quitschend und überschwenglich, dass man die wirkliche kaum von der übertünchenden Freude unterscheiden kann. Alle sind hip und happy und würden auf der Stelle tonnenweise Kinderbrei verzehren, wenn eine Wochenaufgabe es von ihnen verlangen würde. Menschen umarmen sich, ohne Gefühle füreinander zu haben, in dem simplen Wissen darum, für geraume Zeit in einem Boot zu sitzen und sich früher oder später so doll lieb zu haben, dass es sie zum Weinen bringt, oder sich zu hassen wie die Pest, bis es sie... ja genau: zum Weinen bringt.

"Hi ich bin Claire" – "Andy" - "Und ich bin Micha" – "Und wer bist Du", fragt Yasmin, "wir haben uns doch schon auf dem Casting gesehen... is ja irre... Carsten, oder?" "Nee, Wolfgang" "Is ja irre" - "Gudrun mein Name, sehr erfreut!" – "Eigentlich Joachim, aber Freunde nennen mich Sam".

Aber jetzt mal langsam und zum Mitlesen: Diejenige mit dem Schriftzug "Fickt Bush mit einer Bohrmaschine in den Arsch" über den kaum vorhandenen Hügeln unter ihrem T-Shirt ist Claire. Sie ist frischer Twen und kreist hauptsächlich um Andy, wenn sie sich nicht - wie alle anderen auch - um Micha schert, der oder die Frauenkleider über seiner eindeutigen Männerstatur trägt und größtes Aufsehen damit erregt. Um nicht zu sehr zu zeigen, wie sehr sie den Trubel um ihre Person genießt, sagt Micha schnell, dass sie mit bürgerlichem Namen Michael heißt, aber als "sie" und "Micha" angeredet zu werden wünscht.

Andy, der Typ um den Claire also kreist, ist ein junger Mann, der unscheinbar wirken könnte, wenn seine orangefarbene Wollmütze nicht zur allgemeinen Erheiterung aller an Ben erinnerte. Das gibt Gesprächsstoff über Micha hinaus. "Bist du der große Bruder von diesem Typen, der jetzt mit Nena dieses Charity Lied gesungen hat?", fragt Yasmin zuerst dümmlich in die Runde. Sie ist eine schmollmündige und rothaarige Tussi. Mit ihrer üppigen Oberweite zu ihren langen Beinen verkörpert sie eine Klischee-Männerphantasie und ist offensichtlich nach diesem Kriterium als Bewohnerin ausgesucht worden. Vielleicht findet sie auch gerade deswegen viel Zuspruch von Wolfgang, einem sonnenstudiogebräunten und blondierten Fastvierziger. Der viele Zuspruch erschöpft sich allerdings in einem "Ja, genau!", bei dem er Yasmin nicht in die Augen schaut.

Sam schaut Wolfgang daraufhin abschätzend an, ergänzt durch den Vollbart unter seinem Piratenkopftuch den gegrummelten Namen "Ben" und drängt sich dann zwischen Wolfgangs stieren Blick und Yasmins schlagende Argumente. Man kann sich fast nicht entscheiden, ob eher der Papagei auf seiner Schulter oder die Harley unter seinem Hintern fehlt.

Gudrun nimmt sich derweil Wolfgang an, nachdem sie sich allen anderen bereits höflich vorgestellt hat. Sie ist eine adrette Frau in den frühen Fünfzigern und sieht gleich auf den ersten Blick wie eine Beamtin oder Lehrerin aus. So viel stellte sich in dem Begrüßungspalaver dann aber doch noch nicht heraus.

Die Koffer stehen unbeachtet daneben, freuen sich über die kurze glückselige Zeit, in der sie nicht beachtet werden und auch nicht weiter im Bild sind. Aber kaum hatten sie einen Moment verschnaufen können, werden sie auch schon zu verschiedenen Zentren klischeehafter Kennenlernsituationen - als wären sie Zigarettenschachteln in einer Bar. ‚Wer wessen Koffer wohin trägt?‘, ist die Frage, die ‚Welcher überhaupt wessen Koffer ist?‘ ablöst. Und dann wuselt man hin und her.

Micha schläft natürlich im Schlafzimmer der Frauen... so viel war schnell geklärt. Sofort hat es einen Draht zwischen ihr und Yasmin gegeben. Auch Claire ist alternativ genug, um das voll und ganz tolerieren zu können. Nur Gudrun macht einen eindeutig verunsicherten Eindruck bei dem Gedanken, mit einem fremden Menschen mit Schwanz in demselben Zimmer zu schlafen. Doch ihre Unsicherheit geht in der gegenseitigen Dessous-Beschau von Yasmin und Micha, sowie in den Sektflaschen, die der Sender zum Einzug spendiert hat, unter.

Wolfgang, Andy und Sam richten sich in dem Schlafzimmer der Männer ein. Zwei mit Kopfbedeckung und einer mit blondierten Haaren. Das kann ja heiter werden. "So, dann wollen wir mal zu den Frauen Sekt trinken gehen", sagt Wolfgang und geht vor, ohne einen der anderen beiden abzuwarten. Sie sehen ihm nach und packen weiter wortlos aus.

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Das erste Casting. Bereits ganz früh wurden die Kandidaten auf ihre Gruppenfototauglichkeit getestet.
Noch sind die Kleiderschränke leer.
Die erste Begegnung im fk7-Haus...
Die Frauen diskutieren die wichtige Frage, wer wo schläft.
die Männer auf dem Weg in ihr eigenes Zimmer
Gudrun stellt sich dem Wolfgang vor

 

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